zusammengestellt von Katja und Werner Schumacher

Fotonachweis: Olaf Machata, Thomas Fercher, Werner Schumacher und andere Gruppenmitglieder sowie aus der Perchtenchronik

Quellverweis:

  • Großes Salzburger Sagenbuch, Josef Brettenthaler
  • Salzburger Gwürzsträussl, Erwin Rutzinger
  • Perchtenchronik und Überlieferungen der Brauchtumsgruppe Jung Alpenland
  • Festschrift zum 50. Bestandjubiläum der Brauchtumsgruppe Jung Alpenland

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Seit alters her nahm die Vorstellung vom guten Herrscher, der nicht gestorben ist, der im Verborgenen seiner Wiederkunft harre, ihren Platz in der Vorstellung breiter Volksschichten ein. Dieser Glaube war bis in die Neuzeit auch in Europa verbreitet und ist aus den unterschiedlichsten Teilen des Kontinents und der englischen Inseln bezeugt.

Als die Erdentage dieses großen Herrschers vollendet waren, wurde er in den Berg entrückt.

Er wohnt nicht allein in den dunklen Tiefen. Könige und Ritter, Fürsten und Edelleute sind um ihn geschart.

Erzählungen nach ruhen ungeheure Schätze in den prunkvollen Sälen und paradiesischen Gefilden, verschlossen in den Tiefen des Berges.

Aus den historischen Funden rund um den Untersberg und Dürrnberg wurde geschlossen, dass schon vor mehr als 2000 Jahren die Menschen Tiermasken zu Kultzwecken getragen haben.

Vor mehr als 100 Jahren fand das damals sogenannte Wilde Jagdlaufen statt, 1880 soll dieser Brauch eingestellt worden sein. Nach dem 2. Weltkrieg wurde nach Beratungen durch Edwin Vogel mit dem Leiter der damaligen Heimatpflege Kuno Brandauer der Brauch 1949 wiederbelebt, die Masken durch den sehr begabten jungen Werner Dürrnberger neu aufgebaut und die Kenntnisse der Durchführung sowie überlieferte Melodie des Tresterertanzes aufgefrischt.


Die wilde Jagd soll den Zug der Seelen darstellen, die nach alten heidnischen Bräuchen in der Rauhnachtszeit ihre Familien aufsuchen, immer am 2. Donnerstag im Advent.

 







Die Wilde Jagd findet immer „im Weichbild des Untersberges" statt, also in rundum den Untersberg angesiedelten Gemeinden, oder - wie man aus der Sage erzählt - im Herrschaftsgebiet des Riesen Abfalter.







Die Gesellschaft wurde ursprünglich vom Hauptgott Wotan angeführt, der aber später verteufelt wurde, ihm eilt der Tod als Rufer voraus.







Die heilige Zahl 12 bestimmt die Anzahl der Perchten, also 12.
Der Ort bleibt geheim, die wilde Jagd soll der Überlieferung nach möglichst überraschend und aus dem Dunkeln und nur in Begleitung von Fackelträgern bei Bauernhöfen auftauchen.

Dort tanzen Sie den Tresterer, einen Perchtentanz, der aus der Region zwischen Berchtesgaden und Pinzgau stammt und den Bauersleuten Glück und Fruchtbarkeit in Haus und Feld bringen soll.

Die Perchten bringen dir Glück, wenn sie dich berühren, sie haben keine Ketten oder Ruten und schlagen nicht, sondern zerren einen höchstens ein Stück weit mit, treiben Unheil aus und bringen Glück.
Die Schellen und Glocken gelten allgemein als Glücksbringer und sollen mit ihrem Klang die bösen Geister vertreiben und die Erde wieder aufwecken.

 









So auch beim fruchtbringenden Glöcklerlauf, der jedes Jahr in der letzten Rauhnacht am 5. Jänner in der Stadt Salzburg stattfindet und mit den hellen Lichterkappen die Dunkelheit und Kälte vertreiben soll.

Ursprüngliche Entwürfe von Werner Dürrnberger aus dem Jahr 1948 :







Abfalter

Bär













Bärentreiber

Baumwercher











 

Habergoaß

Hahnengickerl







 

 

 

 

Hex

Moosweiberl













Saurüssel

Tod











Vorgeher









Ablauf der Wilden Jagd

Die Perchten kündigen ihr Treiben zu Beginn mit Trommelschlägen, Geschrei und Gebrüll an, stürmen rund ums Haus und vertreiben durch lautes Poltern das Böse, das Unreine.

Der Tod holt durch seinen Trommelwirbel und dreimaligem Trommelschlag alle Perchten zur Referenz zusammen, darauf folgt der Schrei des Hahnengickerl und die Hex kehrt mit ihrem Besen den Platz vom Unreinen sauber und zeichnet mit dem Besen ein Kreuz als Zeichen für Neues, Gutes und Fruchtbares.

Wieder schreit der Hahnengickerl und der Vorgeher beginnt mit dem Spruch:

„Glück hinein, Unglück hinaus, es ziagt des wilde Gjoad ums Haus"

Wildes Treiben rund ums Haus, dann trommelt der Tod abermals zum Zusammenkommen und zum Tresterer.

Die Schwegler spielen den überlieferten Tresterer, der einen Stampf- und Springtanz darstelltmit seinem Achter als Fruchtbarkeitssymbol.

9 der Perchten tanzen Figuren und springen im Kreis und im Achter und der Tod gibt den Takt mit seiner Trommel an, nur die Hex und die Habergoaß müssen zuschauen.

Nach wildem Treiben und abermaligem Trommelwirbel schreit zum Abschluss noch einmal der Hahnengickerl.

Der Rabe kräht zur Referenz, die Perchten verneigen sich zur Erde und bringen so den Bauersleuten Glück und Segen und Fruchtbarkeit für Mensch und Tier, für Haus, Hof und Feld.

Dann verschwindet die wilde Jagd wieder genauso schnell und laut in der Dunkelheit, wie sie gekommen ist und zieht weiter zum nächsten Bauernhof.

Die Bauersleute bedanken sich fürs Kommen ausschließlich mit Naturalien, also Brot, Speck und Käs, Schnaps und Wein, die die Kraxenträger sammeln und anschl. beim Wirt gemeinsam mit den Perchten verzehren.

Die einzelnen Figuren und Ihre Herkunft

Die Herkunft der Figuren kommt aus verschiedenen Richtungen. So spricht man einerseits vom Perchtenkult, andererseits aber auch vom Sagenkreis des Untersberges sowie allgemeinen Sagengestalten aus dem Flachgau.

 

Der Vorgeher:

Er ist Anführer des Gefolges, ruft für die Bauersleute den Spruch „Glück hinein, Unglück heraus, es ziagt des wilde Gjoad ums Haus".

Er stellt den verteufelten Gott Wotan dar, seine Maske stellt einen Teufelskopf mit Hörnern dar und auf seinem Stock ruht ein Schrumpfkopf.






Der Baumwercher:

Dies ist eine traditionelle Perchtenfigur des Gebirges und stellt als Waldgeist das lebende Symbol des Holzes dar. Sein Kopf besteht aus einem Stück Stamm, sein Körper über und über aus Tannenzweigen.

 

Der Bär mit seinem Bärentreiber:

Sie stellen mythische Gestalten im Perchtenzug des Gebirges dar. Der Bärentreiber lässt seinen Bären nie allein. Um ihn in Zaum halten zu können, hat er dem Bären eine Kette um den Hals gelegt.




Aus dem Sagenkreis des Untersberges:

 

Von diesem Berg zieht bekanntlich die wilde Jagd übers Moos und viele Sagen erzählen noch heute vom Treiben des wilden Jägers und seiner Genossen.

 

Der Tod:

Er eilt dem Geisterzug mit seiner Trommel voraus. In der alten Bedeutung sucht er die Heimstätten seiner Nachfahren auf, um zu sehen, ob Haus und Hof in Zucht und Ordnung gehalten werden. Er trommelt die Wilde Jagd beim Hof zusammen, gibt den Takt beim Tanzen an und schlägt den glücksbringenden Trommelwirbel zur Referenz.




Die Hex:

Sie ist die wilde Frau vom Untersberg und wohl eine der am häufigsten genannten Sagengestalten. Nach ihr soll beispielsweise auch das Jungfraun-Brünndl zwischen dem Geiereck und dem Sbg. Hochthron benannt worden sein. Ihre Aufgabe ist es, den Platz für den Tresterer Tanz zu säubern und mit ihrem riesigen Besen das segensreiche Kreuz am Platz zu zeichnen.

 



Das Moosweiberl:

Sie kommt aus dem Moos und stellt einen Frosch dar. Der Sage nach wird sie von der Meute des wilden Jägers in der Luft zerrissen, wenn der Bauer, der gerade besucht wurde, zu lange der Wilden Jagd nachschaut.








Der Riese Abfalter:

Er soll der Sage nach der eigentliche Herrscher der Siedlungen rund um den Untersberg sein.

Der Abfalter ist aber auch Symbol des Apfelbaumes mit seinen goldenen Früchten, den Hesperidenäpfeln.





Der Rabe:

Er ist der sagenreiche Rabe vom Untersberg, der Kaiser Karl zum Weltuntergang zu wecken hat.

 

 

Allgemeine Sagengestalten des Flauchgaues:



Die Habergoaß:

Sie treibt mit den Leuten ihr Unwesen, läuft im Fasching oft auch mit, wird mit den Flachgauer Aperschnalzern verbunden. In der Habergoaß stecken zwei Leute drin.








Der Hahnengickerl:

Er kräht zum Zusammenkommen, kündigt quasi den Zauber an, genauso wie in der Untersbergsage. Er soll auch den Aufgang der Sonne, des Fruchtbaren ankündigen.






Der Saurüssel:

Er wird auch Wildeber genannt, und stellt ein Fruchtbarkeitssymbol, eine heilige Figur in der Rauhnachtszeit dar.

 




Gedicht aus dem Salzburger Gwürzsträussl von Erwin Rutzinger:


Pfeil Wind, pfeif übers Moos,
Pfeif, dass de Schneewolkn fliagn,
pfeif über d' Wiesn her,
pfeif über d' Gräbm daher,
dass sih de Moosbirkn biagn!

Pfeif, Wind, rumplt in Dach,
rumplt gegn d' Fenster und d' Tür,
heut reit't de wilde Jagd,
heute kimmt as wilde Gjoad,
laufts, Leut, verschliiaßts enker Tür!

Hui, pfui, schon tanzt de Hex,
schon tanzt de Hex aufn Dach,
pumpert schon d' Habergoaß,
packt uns de kalte Froas,
holt sih der Rab unser Sach!

Oans, zwoa, 's kimmt schon der Frosch,
's trommlt der pechschwarze Tod,
hupft uns der Teufl an,
hängt sih an Kittl dran,
schreckt uns der Abfalter z'Tod.

Weh, weh, 's Moosweibl klagt,
's Moosweibl brauchat Hilf,
fürcht't sih vor'n wildn Gjoad,
wia's übern Berg herfahrt,
duckt sih ganz grean unter 's Schilf.

Laufts, Leut, heut kraht der Hahn,
heut brummt der Bär de ganz' Nacht,
geht der schiach Bamwerch um,
Saurüassl schnoflt um,
d' Schwegln spieln auf bei der Nachlt!

Rumm, pumm, d' Trommln de schlagn,
d' Geister, de stampfn in Kroas!
Weihrauch und Myrrhn straats aus,
bitt' mar an Segn ins Haus,
gehngan de Perchtn auf d' Roas.

Pfeif, Wind, pfeif übers Moos,
pfeif, dass de Schneewolkn fliagn!
Auswendi blas alls aus,
einwendi kehr alls aus,
bis dass sih d' Geister verziahgn.