Das erste große Freiluftfest im Jahreskreis, das Aufstellen des

MAIBAUMs.

Der 1. Mai ist wahrlich ein einzigartiger Tag, folgt doch dem Schrecken des geheimnisvollen Hexenzaubers der Walpurgisnacht (= die Nacht vom 30. April auf den 1. Mai) am grauenden Morgen der betörende Zauber des wiedererwachenden Lebens. Dieser Zauber zeigt sich schon in der besonderen Eigenschaft des Tages im Kalender, fällt doch der 1. Mai auf denselben Wochentag wie der Neujahrstag des folgenden Jahres und beginnt doch darüber hinaus kein anderer Monat des laufenden Jahres mit demselben Wochentag wie eben der Mai.

Nun aber gleich hin zum wohl bekanntesten Maibrauch zum Aufstellen des MAIBAUM, nach keltisch heidnischem Ritus ein Mondfest, wobei wir uns einstimmend sogleich mit dem Baum selbst beschäftigen wollen.

Zunächst sollten wir uns dabei vergegenwärtigen, dass der Baum an sich den Menschen seit Urzeiten von der Geburt (Wiege) über das Hochzeitsbett, Tisch und Kästen, Truhen und sein Haus bis an sein Ende (Sarg, Totenbrett) begleitet. Nicht vergessen dürfen wir dabei auch seine uns wärmende Eigenschaft, die bis hin zur Speisenzubereitung reicht. Heute in der Moderne schreiben (Papier) wir auf Bäumen, ja wir kleiden (Viskose) uns sogar in Bäume. Der Baum steht, wie der Mensch aufrecht, ist einzigartig wie dieser und er wächst und vergeht auch wie der Mensch. Daher ist der Baum an sich und somit auch der Maibaum insbesondere ein Symbol für das Werden und Vergehen, im Besonderen aber das Reifen (heranreifende Jugend). Der Baum scheint den Himmel zu berühren und somit Bindeglied zwischen Himmel und Erde und über seine Wurzeln wohl auch zur Unterwelt zu sein. Sein Holz kann betören, verzaubern - Zauberflöte (der Sage nach in der Urzeit aus der tiefsten Wurzel einer tausendjährigen Eiche geschnitzt), das süße Hölzl (Klarinette) etc. So verwundert es auch nicht, daß die mythenumwitterte geheimnisvolle Weltenesche (war möglicherweise eher eine Eibe = immergrün) Yggdrassil die kosmische Ordnung darstellt. Sie gilt als Symbol der räumlichen, zeitlichen und inhaltlichen Schöpfung alle Welten und ist selbst unsterblich (daher IMMERGRÜN). Der Baum galt in vielen Urkulturen am ganzen Erdball als Sitz der Götter, weshalb er auch in der Mythologie zum Lebensbaum schlechthin wurde. Aus den Märchen wissen wir, daß er der Sitz von Elfen und vielen Feenwesen ist. Man denke auch an den Zauber der den Walser Birnbaum umgibt! Um diesen soll nämlich einst die allerletzte Schlacht, die endgültige zwischen Gut und Böse stattfinden, angeführt vom „Kaiser Karl im Untersberg". Vor diesem Hintergrund ist es sehr leicht verstehbar, ja fast selbstverständlich, daß der Baum (z.B. Mai, Weihnachten), das Holz (in Gegenständen, Schnitzwerk und Masken), Gehölz (in [Segens-] Zweigen [Palm- Barbara- Ruten u.dgl.] etc.) auch im brauchtümlichen Jahreskreis eine sehr bedeutende Rolle spielt! Auch ist dieser Hintergrund nicht uninteressant wenn wir den MAIBAUM, der meist ein immergrüner Nadelbaum, eine besonders schlanke Fichte oder auch Tanne ist, in seiner ganzen mystischen Bedeutung betrachten und erahnen wollen. Nicht umsonst ist auch so ein Nadelbaum zum Christbaum (Symbolik; Geburt - Leben, Wachstum...) geworden! Es gibt auch Berichte denen zufolge auch der Walser Birnbaum einst eine mächtige Tanne gewesen sein könnte.

Ganz eng mit dem MAIBAUM verwandt sind auch die Lungauer Prangstangen!


Am 1. Mai, einem der ersten warmen Tage im Jahr, spürt man fast nicht mehr die Verwandtschaft des Maibaumes zu den Segen bringenden Ruten der Perchten, die ja auch mit Ihren Bräuchen (oft sogar in [Kult-]Tänze eingebettet) suchen die Lebenskräfte zum neuen Erwachen zu bewegen! Der ursprüngliche und Segen bringende und niemals strafende Charakter der Rute wird für jedermann deutlich erkennbar beim „Frisch- und G´sundschlagen" der Lungauer Kinder am Tag der unschuldigen Kinder. Daran kann man unschwer erkennen, daß die heute so gerne aber missbräuchlich verwendeten Roß- und Kuhschweife ein völlig sinnleerer und daher bedeutungsloser Humbug sind und nichts mit inhalts- und gedankenvollem Brauchtum zu tun hat! Ich sehe darin auch keine Weiterentwicklung der Figur der Percht, des Brauches, da ja eben kein tieferer Sinn dahinter steckt.

An dieser Stelle will ich noch ein paar Worte zur sprachlichen (etymologischen) Entwicklung des Monatsnamens selbst verlieren. Ganz einfach weil ich es spannend finde meiner Muttersprache, selbst ein pflegenswertes (Volks-)Kulturgut, auf den Grund zu gehen, mich mit ihr zu befassen um sie auch so gut wie möglich zu verstehen.

Schon im Althochdeutschen (≈ 750 - 1050 n. Chr.) heißt der Mai „winnimãnõd", wobei „winne" die Weide und mãno den Mond, mãnõd den Monat benennt. Diesen Monatsnamen führte Karl der Große (*747 - † 814) bereits im ausgehenden 8. Jhdt ein! Später dann im Mittelhochdeutschen (≈1050 - 1350 n. Chr.) änder sich den Name mit „winnemânôt" nur unwesentlich. Im Neudeutschen schließlich wurde dann in Anlehnung an die ersten warmen Tage und dem Zauber seines Hauptsymbols, des Maibaumes aus dem Weidemond, also dem Monat in dem man Tiere wieder auf

die Weiden ausläßt, verballhornt der Wonnemonat (die Wonnen der Wärme und Liebe etc.) Mai.

Die Bezeichnung Mai kommt aus dem römischen Kalender der zunächst den 3. Monat nach dem Gott der das Wachstum bringt, I(J)upiter Maius, Mai benannte. Der Maibaum selbst wird mancherorts Maie genannt, aber auch bezeichnender Weise eine frisch im Saft stehende junge Birke, ein frühlingsgrüner Birkenzweig (Rute → Perchten, Frisch- und G´sungschlagen) der im Frühjahr noch vielerorts den ersten Hausschmuck bildet, der Maien ist ein Feldblumenstrauß aus den ersten Frühlingsboten.

Kommen wir aber nach diesen Betrachtungen endlich zum MAIBAUM an sich, der als weithin sichtbares Sinnbild der Liebe wie auch der Fruchtbarkeit, also des Lebens und des Wachstums gilt und ist im Jahreskreis des kraftvoll gelebten Brauchtums, man lese und staune, ein Glied in der Kette der Lebensruten zu denen auch die Ruten im Perchtenbrauchtum gehören! Die Kraft des Wachstums der Jugend, die in federführend aufstellt, zeigt sich auch heute noch in seinen Maßen - Höhe, Mächtigkeit! Wer hat heuer wohl den höchsten und schönsten Baum? Wobei es hier sehr wichtig ist, dass ebenso erfahrene, verantwortungsvolle und weitblickende Burschen den Baum auswählen. Dem „Baummoar", derzeit bei uns der Peter Radauer, kommt da eine ganz große Verantwortung zu, ist der doch für den guten Verlauf des Aufstellens und dessen Gelingen hauptverantwortlich. Also trifft auch er im Wald die letzte Entscheidung welcher Baum (Länge + Durchmesser = Gewicht, Wuchs und „Bringbarkeit" sind da maßgeblich zu berücksichtigen) geschlagen wird! Jedenfalls gilt schon, je höher der Baum, desto näher dem Himmel bzw. der lebensspendenden Sonne - - -. Am Schmuck und den liebvollen Details hinterlassen die Mädchen und Frauen Ihre herzliche Handschrift. Somit ist der Maibaum noch weit mehr, er ist auch Sinnbild für die Gemeinschaft (alle müssen zusammenhelfen um ihn so hinzubekommen), den Zusammenhalt der „Dorfgemeinschaft", was auch durch den Tanzkreis um den Maibaum unterstrichen wird.

Der Maibaum sollte idealerweise in der Walpurgisnacht noch grün und frisch im Wald stehen und beim ersten Morgengrauen gefällt sein. Bei uns wird er tatsächlich am frühen Morgen von Hand (das gebietet uns alleine schon unser Respekt dem Baum gegenüber) geschlagen, was auch immer ein gewaltiges Erlebnis für die anwesenden und durchaus auch mithelfenden Kinder ist. Es hat schon was, wenn einige Stunden später der Baum steht und man den Tag so im Kopf noch einmal nacherlebt, sich dabei bewußt wird, daß der noch vor einigen Stunden frisch und mächtig im Wald stand! Mit dem schepsen (entrinden), selbstverständlich noch im Wald, tritt auch der Stamm aus dem Dunkel (Rinde) des Winters hervor und ist später ein leuchtend helles Zeichen des wieder erstarkenden Lichtes!


Bei uns wird der MAIBAUM noch traditionell mit drei (3 = die Zahl der Vollkommenheit - Körper, Geist und Seele; Dreifaltigkeit; Unterwelt, Erde und Himmel; Erde, Mond und Sterne, Sonne etc.) Reifen geschmückt wobei der obere für die Wintersonnenwende (21. Dezember = Mitwinter = Wiedergeburt des Lichtes; Beginn des neuen Sonnenjahres; der Tag, das Licht nimmt wieder zu!), der mittlere für die Frühlingsgleiche (21. März) und Herbstgleiche (21. September), zwischen denen die Hochzeit des Jahres liegt, und der untere für die Sommersonnenwende (früher 24. Juni, heute 21. Juni = Mitsommer = längster Tag = da Sonnenjahr beginnt sich auf seinem Höhepunkt zu neigen) steht.

Die Reifen selber schmücken Stoffbänder (KEINE Plastik-Absperrbänder - sie sind eine gedankenlose, entwertende Unart!!) in rot und weiß.

Rot = die Farbe des Feuers und des Blutes, des Lebens und der Liebe; Rot drückt

Kostbarkeit - Purpur [Purpurmäntel: Könige, Kardinäle, Senat, Verfassungsrichter etc.] - aus; mit einem rote Ei, welches das Mädchen zu Ostern ihrem „Auserwählten" oderihrem geliebten Mann schenkt, konnte (und kann es auch noch heute) früher ein

Mädchen „aktiv werden" und einem Burschen ihr Interesse an ihm bekunden, ihm

dezent wissen lassen, dass sie ihn mag;

und

Weiß = das Licht, die Reinheit => der Neubeginn; auch der Stamm ist nahezu weiß (z.B.: Geburt, Taufe, Braut in manchen Kulturen auch der Tod der ja auch ein Übergang und somit einen Neubeginn darstellt); sind aufgrund ihrer Bedeutung zu traditionellen Kultfarben geworden und zudem, gewiss auch aus dieser tiefen Bedeutung gewachsen, unsere Landesfarben.

Ferner gehört der Maibaum ebenso zu den Festbäumen in Brauchtum und im Jahreskreis, zu denen auch die Prangstangen, der Richtbaum, der Schützenbaum (verziert mit Wappen und Darstellungen aus dem Schützenwesen etc., auch äußerlich durchaus dem bayr. Maibaum ähnlich) und den Jahreskreis beschließend, eigentlich, und kirchlich ist es auch so, aber eröffnend (GEBURT Christi = Überwindung des Todes [Wintersonnenwende] = Geburt des Liches), auch der Christbaum gehören wie auch die in früheren Zeiten sehr bedeutenden Freiheitsbäume (für viele heute eher kaum verständlich, siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Freiheitsbaum) gehören.

Durch die Vergnüglichkeiten um, am und im Bereich des Maibaumes bemühte man sich der Eigenschaften, die ich bereits beschrieb, die dem Maibaum zugeschrieben werden, habhaft zu werden.

Der Tanz um den Baum hat an sich dabei einen großen kultischen Anteil ebenso wie er auch gesellschaftlich bedeutend ist. Der Tanz selbst schafft Beziehungen, festigt Beziehungen, fördert das „WIR-Gefühl" wie auch den Respekt vor den anderen „WIRs", fördert also die Gemeinschaft, ist gut für die Gesellschaft per sé. Der gemeinsame Tanz um den Maibaum brachte einerseits stets die (heiratswillige -fähige) Jugend zusammen, und sorgte allein dadurch auch wieder für die

Weitergabe des Lebens. Auch das harmonisch respektvolle Miteinander von jung- und alt wird dabei gefördert und gepflegt.


Auch das Kraxln auf diesen weißen (Reinheit, Licht und Neubeginn) Riesen, den MAIBAUM, ist unter anderem auch in diesem Lichte zu sehen, konnte man da als starker Bursch, der den Baum ebenso elegant wie wieselflink bezwingt, die Mädchen durchaus beeindrucken. So ganz nebenbei suchten die Burschen den Baum zu bezwingen und so seine mythische Kraft auf sich zu übertragen.

Auch das Eigentliche, das Aufstellen desselben ist so eine Art Kräftemessen der Burschen mit dem Baum in dem hoffentlich die ihn aufstellenden Burschen stets obsiegen.

Auch wir stellen den Baum noch händisch, ohne jegliche Maschinenkraft, auf!

Dass der Salzburger Hanswurst dieses großartige erste große Freiluft- Außerhausfest unter den wärmenden Strahlen der Sonne begleitet, versteht sich geradezu von selbst ist doch auch er ein lebendes Symbol für Lebensfreude wie auch Fruchtbarkeit und alles Irdische. Zudem haben die Kinder eine Riesenfreude wenn er mit ihnen um den Maibaum einen Reigen tanzt und ihnen anschließend zu einem Baumerlebnis verhilft indem er ihnen etwas hinauf hilft und darüber wacht, dass keinem der Kinder dabei Leid passiert.

Das besonders Schöne beim Aufstellen des Maibaumes im Petersbrunnhof ist, daß dieses dort wirklich noch als überlieferter Brauch lebendig und als gemeinschaftsstärkendes Fest gefeiert wird und vor allem absolut frei von Parteipolitik ist. Der Baum wird noch mit Zugsäge und Beil am selben Tag gefällt und im Petersbrunnhof händisch aufgestellt. Die Kränze werden in gemeinschaftlicher Arbeit von den Burschen und Mädchen gebunden. Somit ist unser Maibaumaufstellen vom Kranzbinden, dem Walderlebnis bis er wieder steht reine Handarbeit.

Auch findet noch ein Tanz (Reigen) um den Maibaum statt. Es ist ein großes Erlebnis für die Kinder. Ja und schließlich findet die Bewirtung auch aus eigener Kraft durch Mitglieder der Brauchtumsgruppe Jung Alpenland statt, die Kuchen beispielsweise werden dabei von den Frauen und Mädchen selbst gebacken.

Kurzum bieten wir für alle unsere Gäste ein sehr besonderes Fest für die ganze Familie in idyllischem, geschütztem Rahmen (Hof) gerade deshalb, weil wir das Fest nicht „für jemanden veranstalten" sondern in erster Linie für uns feiern und die, die kommen wollen herzlich gerne mit einbinden in unser Fest! Selbstverständlich ist jeder Bursche und Mann aufgefordert aktiv beim Aufstellen gemeinsam mit uns Hand an zu legen!

Also komm doch, Du bist uns herzlich willkommen ...

der (Verfasser) Sa°izbuaga Ha°nswuascht

Maibaummoare der letzten Zeit:

bis 2006 Sepp Rehrl

ab 2007 Peter Radauer