Am 1. Mai, einem der ersten warmen Tage im Jahr, spürt man fast nicht mehr die Verwandtschaft des Maibaumes zu den Segen bringenden Ruten der Perchten, die ja auch mit Ihren Bräuchen (oft sogar in [Kult-]Tänze eingebettet) suchen die Lebenskräfte zum neuen Erwachen zu bewegen! Der ursprüngliche und Segen bringende und niemals strafende Charakter der Rute wird für jedermann deutlich erkennbar beim „Frisch- und G´sundschlagen" der Lungauer Kinder am Tag der unschuldigen Kinder. Daran kann man unschwer erkennen, daß die heute so gerne aber missbräuchlich verwendeten Roß- und Kuhschweife ein völlig sinnleerer und daher bedeutungsloser Humbug sind und nichts mit inhalts- und gedankenvollem Brauchtum zu tun hat! Ich sehe darin auch keine Weiterentwicklung der Figur der Percht, des Brauches, da ja eben kein tieferer Sinn dahinter steckt.

An dieser Stelle will ich noch ein paar Worte zur sprachlichen (etymologischen) Entwicklung des Monatsnamens selbst verlieren. Ganz einfach weil ich es spannend finde meiner Muttersprache, selbst ein pflegenswertes (Volks-)Kulturgut, auf den Grund zu gehen, mich mit ihr zu befassen um sie auch so gut wie möglich zu verstehen.

Schon im Althochdeutschen (≈ 750 - 1050 n. Chr.) heißt der Mai „winnimãnõd", wobei „winne" die Weide und mãno den Mond, mãnõd den Monat benennt. Diesen Monatsnamen führte Karl der Große (*747 - † 814) bereits im ausgehenden 8. Jhdt ein! Später dann im Mittelhochdeutschen (≈1050 - 1350 n. Chr.) änder sich den Name mit „winnemânôt" nur unwesentlich. Im Neudeutschen schließlich wurde dann in Anlehnung an die ersten warmen Tage und dem Zauber seines Hauptsymbols, des Maibaumes aus dem Weidemond, also dem Monat in dem man Tiere wieder auf

die Weiden ausläßt, verballhornt der Wonnemonat (die Wonnen der Wärme und Liebe etc.) Mai.

Die Bezeichnung Mai kommt aus dem römischen Kalender der zunächst den 3. Monat nach dem Gott der das Wachstum bringt, I(J)upiter Maius, Mai benannte. Der Maibaum selbst wird mancherorts Maie genannt, aber auch bezeichnender Weise eine frisch im Saft stehende junge Birke, ein frühlingsgrüner Birkenzweig (Rute → Perchten, Frisch- und G´sungschlagen) der im Frühjahr noch vielerorts den ersten Hausschmuck bildet, der Maien ist ein Feldblumenstrauß aus den ersten Frühlingsboten.

Kommen wir aber nach diesen Betrachtungen endlich zum MAIBAUM an sich, der als weithin sichtbares Sinnbild der Liebe wie auch der Fruchtbarkeit, also des Lebens und des Wachstums gilt und ist im Jahreskreis des kraftvoll gelebten Brauchtums, man lese und staune, ein Glied in der Kette der Lebensruten zu denen auch die Ruten im Perchtenbrauchtum gehören! Die Kraft des Wachstums der Jugend, die in federführend aufstellt, zeigt sich auch heute noch in seinen Maßen - Höhe, Mächtigkeit! Wer hat heuer wohl den höchsten und schönsten Baum? Wobei es hier sehr wichtig ist, dass ebenso erfahrene, verantwortungsvolle und weitblickende Burschen den Baum auswählen. Dem „Baummoar", derzeit bei uns der Peter Radauer, kommt da eine ganz große Verantwortung zu, ist der doch für den guten Verlauf des Aufstellens und dessen Gelingen hauptverantwortlich. Also trifft auch er im Wald die letzte Entscheidung welcher Baum (Länge + Durchmesser = Gewicht, Wuchs und „Bringbarkeit" sind da maßgeblich zu berücksichtigen) geschlagen wird! Jedenfalls gilt schon, je höher der Baum, desto näher dem Himmel bzw. der lebensspendenden Sonne - - -. Am Schmuck und den liebvollen Details hinterlassen die Mädchen und Frauen Ihre herzliche Handschrift. Somit ist der Maibaum noch weit mehr, er ist auch Sinnbild für die Gemeinschaft (alle müssen zusammenhelfen um ihn so hinzubekommen), den Zusammenhalt der „Dorfgemeinschaft", was auch durch den Tanzkreis um den Maibaum unterstrichen wird.

Der Maibaum sollte idealerweise in der Walpurgisnacht noch grün und frisch im Wald stehen und beim ersten Morgengrauen gefällt sein. Bei uns wird er tatsächlich am frühen Morgen von Hand (das gebietet uns alleine schon unser Respekt dem Baum gegenüber) geschlagen, was auch immer ein gewaltiges Erlebnis für die anwesenden und durchaus auch mithelfenden Kinder ist. Es hat schon was, wenn einige Stunden später der Baum steht und man den Tag so im Kopf noch einmal nacherlebt, sich dabei bewußt wird, daß der noch vor einigen Stunden frisch und mächtig im Wald stand! Mit dem schepsen (entrinden), selbstverständlich noch im Wald, tritt auch der Stamm aus dem Dunkel (Rinde) des Winters hervor und ist später ein leuchtend helles Zeichen des wieder erstarkenden Lichtes!